
Ausrüstung für Freerider*innen
Skifahrer*innen und Snowboarder*innen, die im freien Skiraum unterwegs sind, müssen gut vorbereitet und mit der notwendigen Ausrüstung ausgestattet sind, um ihr Risiko zu minimieren und im Ernstfall handeln zu können.
25.01.2024
Wirst du von einer Lawine erfasst, bist du Passagier und befindest dich in potenzieller Lebensgefahr. Selbstständige Rettungs- und Befreiungsversuche können zwar erfolgreich sein, in den meisten Fällen bist du aber auf die Hilfe von Anderen angewiesen.
Hinter jedem Lawinenunfall stehen Schicksale, weshalb es unser Ziel sein muss, die Zahl der Lawinenunfälle zu reduzieren. Das gelingt am besten durch gute Vorbereitung und situationsangepasstes Verhalten im Gelände. Also indem du dein Möglichstes tust, keine Lawine auszulösen, um nicht erfasst und verschüttet zu werden.
Jede*r Freerider*in kann aber Fehler machen, Pech haben, zur falschen Zeit am falschen Ort sein oder zu einem Lawinenunfall einer anderen Gruppe dazukommen. Dann gilt es, bestens vorbereitet zu sein, um diese Notsituation bestmöglich zu meistern. Gerade beim Lawinenunfall spielen Kamerad*innen und Ersthelfer*innen vor Ort eine bedeutende Rolle. Diese trifft umso mehr zu, je weiter entfernt man vom organisierten Skiraum und einer schnellen professionellen Rettung ist.
Leider ist es Realität, dass viele auch langjährige Freerider*innen und Tourengeher*innen -egal welchen Alters – nicht entsprechend gut ausgebildet sind und die Verschüttetensuche nicht angemessen beherrschen. Deshalb ist es wichtig und lobenswert jugendlichen Freerider*innen alles zum Notfall Lawine näher zu bringen.
Realität ist aber auch, dass z. B. bei einer großen Verschüttungstiefe oder einer tödlichen Verletzung die beste Verschüttetensuche nicht hilft. Wir denken, dass hier von Anfang an gut und realistisch ausgebildet werden muss und vor allem immer wieder darauf hingewiesen werden muss, dass jeder zwar sein Bestes geben soll, aber nicht erwarten darf, jede verschüttete Person retten zu können. Dieser Spagat zwischen den Basics, die zu erwarten sind, wenn man im Gelände unterwegs ist und dem Vorbeugen von Schuldgefühlen nach einer nicht erfolgreichen Suche oder einer Suche mit negativem Ausgang, ist ein schwieriger und muss individuell beurteilt werden.
„Ein korrekt abgesetzter schneller Notruf kann für verschüttete Personen wichtiger sein als unkoordiniertes Herumgesuche!“
In diesem Zusammenhang wichtiger als die Verschüttetensuche ist das Einhalten von Standards und die Kommunikation bzw. Wahrnehmung der Eigenverantwortung innerhalb der Gruppe. Ist jemand im Notfall nervös oder aufgeregt, ist die richtige Durchführung vermeintlich einfacher Maßnahmen wichtiger, als in kompletter Überforderung versuchen, eine Verschüttetensuche durchzuführen.
Änderbar und variabel ist das Ziel d. h. die Abfahrt! Ist man mit einer Gruppe unterwegs, kann man die Teilnehmer*innen/Kolleg*innen nicht einfach „ändern“. Auch an die herrschenden Schneeverhältnisse und auch an das aktuelle Wetter wird man sich anpassen müssen. Das bedeutet, die wichtigste Präventionsmaßnahme, um nicht von einer Lawine erfasst und verschüttet zu werden, ist die Wahl des entsprechend besten Runs für den jeweiligen Tag und die gegebenen Rahmenbedingungen.
Wichtig für jede Stress- und Notsituation bzw. um diese zu verhindern, ist:
Richtig eingestellte/gewartete Ausrüstung: Bindung-Schuh-Ski, LVS, Airbag, etc.
Richtige Verwendung der Ausrüstung: Bindung-Schuh-Ski, Airbag, LVS, etc
Gute Buddys mit demselben Mindset: ähnliches technisches Können/Niveau und Erwartungen
Versuche immer dir selbst zu helfen und verlasse dich nicht blind auf Andere! Du kannst anderen nur dann helfen, wenn du selbst keine Hilfe benötigst. Wirst du von einer Lawine erfasst, gib nicht auf, sondern versuche folgendes:
Fahre nicht allein! Bist du allein unterwegs und wird deine Verschüttung nicht beobachtet bzw. sind nicht sofort Ersthelfer*innen und Rettungskräfte bei dir, sinken deine Überlebenschancen dramatisch. Nicht nur bei einer Ganzverschüttung, sondern auch wenn du dich nicht selbst befreien kannst oder verletzt bist. Wenn du niemandem akut abgehst, wird dich auch nicht sofort jemand suchen.
Alle haben die notwendige Ausrüstung dabei! Ohne LVS, Schaufel und Sonde ist das Orten und Ausgraben einer verschütteten Person nicht oder nur (zu) zeitaufwendig möglich. Ohne Mobiltelefon kann nicht alarmiert werden und ohne Erste-Hilfe-Paket/Biwaksack kann niemand gut versorgt/gewärmt werden. Mit dabei sind:
Im Folgenden beschreiben wir den grundlegenden Ablauf bei einem Lawinenunfall. Als Vorlage für die Verschüttetensuche dienen die international abgestimmten Inhalte von MSi. Manche Länder, Institutionen und Organisationen werden in manchen Details abweichend davon ausbilden, was gut und kein Problem ist.
Im Folgenden wird auf die einzelnen Punkte dieses Notfallmanagement-Plans eingegangen:
Nach einem (Lawinen-)Unfall gilt es, nicht die Nerven zu verlieren. Als „Action-Mode“ bezeichnet man den Zustand, in den viele Menschen unter Stress verfallen: Man beginnt ohne Plan und Übersicht irgendetwas zu machen, versucht mit Bewegung und Taten Druck abzubauen. Damit startet meist eine Fehlerkette, die später nur noch schwer zu unterbrechen ist.
Deswegen ist auch hier (wie in der Ersten-Hilfe) das „10 für 10“-Prinzip wichtig. Das bedeutet, sich kurz Zeit zu nehmen, durchzuatmen und dann die Situation systematisch zu erfassen, zu bewerten und „abzuarbeiten“.
Unmittelbar nach dem Lawinenabgang:
Wer mit wem wie kommuniziert und ob es möglich ist, dass eine Person das Kommando übernimmt und den Überblick bewahrt, hängt von der Gruppengröße und dem Können der Mitglieder*innen ab.
Wir gehen im Folgenden davon aus, dass eine 6-köpfige Gruppe unterwegs ist, die gut ausgebildet ist und bei welcher der erste Abfahrer in einer typischen Skifahrerlawine verschüttet wurde. Es sind genügend Ersthelfer*innen vor Ort, dass einer davon das Kommando übernehmen kann.
Das Ganze funktioniert umso besser, je öfter die Gruppe gemeinsam trainiert hat. Kommen unbekannte Freerider*innen dazu, wird es schwieriger bzw. funktioniert nur dann effizient, wenn diese ähnlich ausgebildet wurden.
Eine wichtige Aufgabe für die Person, die das Kommando übernimmt, ist es, solche motivierten aber ahnungslosen Freerider*innen zurückzuhalten – z. B. damit sie mit ihren sendenden LVS nicht die ganze Suche stören – und ihnen Aufgaben zu geben, mit denen sie nicht überfordert sind.
Klare Anweisungen und Aufgaben: Das Kommando übernimmt eine kompetente Person, die die Situation einschätzen und laufend neu bewerten kann. Diese Person darf nicht den Überblick verlieren und hat das entsprechende Kommunikations- und Durchsetzungsvermögen. Nachdem die Situation eingeschätzt und bewertet wurde, gibt die Kommandantin in unserem Fall folgende Anweisungen und Informationen weiter:
Umgekehrt ist die Kommandantin auf die Rückmeldung der Suchenden (und der Anderen) angewiesen, um die Situation laufend updaten zu können. Also (sehr) laut und deutlich mitteilen, wenn:
Andere Situation – Zwei Freerider*innen (Vroni und Toni) kommen zu einem Lawinenabgang: Verschiedene Settings und Szenarien verlangen angepasste Vorgehensweisen. Dabei gilt es, die besonderen Kompetenzen und Talente der Gruppe zu nutzen. In diesem Fall sucht wieder Vroni – weil sie es einfach besser kann – während Toni den Notruf absetzt und Sonde und Schaufel herrichtet. Wiederum finden beide zuerst ihre Ruhe wieder (10 für 10) und vermeiden in den Action-Modus zu fallen, verschaffen sich einen Überblick und handeln dann nach ihrem Plan, wobei einer das Kommando übernimmt.
Das korrekte Absetzen eines Notrufes ist Grundlage jeder Rettung und sollte von jedem*r Freerider*in und Skifahrer*in beherrscht werden. Auch wenn aufgrund von Aufregung, Panik, der Situation, o. Ä. keine weiteren Rettungsmaßnahmen durchgeführt werden können, ist mit dem Alarmieren der Einsatzkräfte ein wichtiger Schritt getan.
Wann der Notruf abgesetzt wird, hängt von der Situation ab (verschüttete Person sichtbar, Lawinengröße, Gelände, …). Es empfiehlt sich, auch wenn nur wenige Personen verfügbar sind – z. B. eine Person verschüttet ist und nur ein*e Ersthelfer*in verfügbar ist – sofort einen Notruf abzusetzen, sofern dieser ohne großen Zeitverlust (Netzabdeckung) möglich ist. Bei einem solchen „kurzen“ Notruf wartet man ausnahmsweise nicht, bis der Calltaker das Gespräch beendet, sondern informiert diesen lediglich über den Lawinenabgang, den möglichst genauen Standort und beendet das Gespräch mit der Information, dass man nun mit der Verschüttetensuche beginnt.
Note: Als Faustregel für einen verzögerten, d. h. späteren Notruf kann gelten: weniger als 3 Retter und „Kopf-frei-Zeit“ * unter 15 Minuten.
*Zeit bis man den Kopf ausgeschaufelt hat und die Atemwege frei sind
Der Notruf hat Priorität! Spätestens wenn die verschüttete Person ausgegraben ist, ist im Idealfall ein Notarzt zur weiteren Versorgung vor Ort. Das Wichtigste:
Vorab ist es wichtig, zu wissen, dass es bei der Verschüttetensuche nicht nur um die LVS-Suche geht, sondern diese ein Teil von einem Ablauf ist. Es geht von Suche mit Auge, Ohr & LVS bis zum Sondieren und Ausschaufeln.
Ein wichtiger allgemeiner Hinweis: Bei der Verschüttetensuche bleibt der Rucksack immer am Rücken der Retter, d. h. wird etwas herausgenommen, wird er sofort wieder angezogen! Auch bleiben Sonde und andere Ausrüstungsgegenstände immer bei der Person – herumstehende Sonden können leicht für Verwirrung sorgen.
Ablauf der Verschüttetensuche:
Alle Freerider*innen haben nach dem LVS-Check ihr Gerät auf SENDEN. Nach einem Lawinenabgang beginnen die Suchenden mit der Verschüttetensuche, während alle anderen ihr Gerät aus bzw. in den Standby-/Rettungs-Modus schalten. Alle elektronischen Geräte werden mit ausreichend Abstand verstaut und im Idealfall ganz ausgeschalten, um Störsignale zu verhindern.
Die Suche gliedert sich in:
Die Phasen der Verschüttetensuche können bezüglich Suchgeschwindigkeit und -präzision anschaulich mit dem Landeanflug eines Flugzeuges verglichen werden. Zu Beginn bewegt man sich schnell (Signalsuche) und wird mit abnehmender Reichweite zur verschütteten Person zunehmend langsamer und genauer (Grobsuche) . Ab einer Anzeige von etwa 5-3 Meter arbeitet man langsam und präzise und bewegt sich dabei möglichst nah am Boden, bis man die geringstmögliche Distanz zur verschütteten Person erreicht hat. Dann wird rasch und sauber im 90° Winkel zur Oberfläche sondiert. Dabei gilt es, nicht immer starr auf den Gerätedisplay zu schauen, sondern den Lawinenkegel auch nach sichtbaren Objekten (Ausrüstungsgegenstände, Körperteile o. Ä.) abzusuchen.
Signalsuche (mit Auge, Ohr, LVS): Schnelles Fortbewegen bis zum ersten Signal
Grobsuche – Suche vom Erstsignal bis in den Nahbereich. Zuerst schnelles und dann immer langsameres Fortbewegen bis in den Nahbereich (Anzeige ca. 5-3)
Feinsuche: Langsames und präzises Suchen bis zur kleinsten Anzeige (= Verschüttungstiefe)
Am meisten Zeit wird häufig und unnotwendigerweise bei der Feinsuche verbraucht. Das kommt oft von schlechten Übungsszenarien, bei dem das vergrabene LVS „punktgenau“ geortet werden muss (besser wäre, das LVS in einem Rucksack o. Ä zu vergraben). In Realität befindet sich aber ein verschütteter Mensch unter dem Retter und deswegen reicht ein einmaliges Auskreuzen völlig aus. Die Punktsuche bis zum eindeutigen Treffer erfolgt dann mit der Sonde. Wichtiger ist es deshalb, sich den kleinsten angezeigten Wert am LVS-Display zu merken, da dies die maximal mögliche Verschüttungstiefe und für das Sondieren eine wertvolle Information ist.
Tipps für die Feinsuche:
Ein eindeutiger Sondentreffer erkennt man am Tiefenunterschied. Das bedeutet, die Sonde kann plötzlich weniger tief in den Schnee gesteckt werden, weil man auf einen Gegenstand stößt, man lässt die Sonde an dieser Stelle stecken und startet mit dem Ausschaufeln.
Im Gegensatz zu einer organsierten Sondierkette und dem offenen Sondieren in der Verschüttetensuche wird hier auf die Suche einer verschütteten Person mit einem sendenden LVS bezogen (Punksuche). Das Üben von qualitativem Sondieren mit Sondenprofilen – um zu erkennen, ob ein Rucksack, Ski, Baum, Körper, usw. – getroffen wird, macht in diesem Setting keinen Sinn, sondern verlängert die Sondierzeit.
Liegt ein eindeutiger Sondentreffer vor, bleibt die Sonde an Ort und Stelle stecken und das Ausschaufeln beginnt. Ziel ist es, möglichst rasch zum Kopf der verschütteten Person zu gelangen.
Effizientes Ausschaufeln:
Das Ausschaufeln ist bei der Verschüttetensuche oft der anstrengendste und zeitaufwendigste Teil. Dementsprechend gilt es, eine gute Technik anzuwenden und sich die Kräfte einzuteilen.
Ausrichten beim Ausschaufeln:
Trifft man auf den Körper, orientiert man sich ehestmöglich Richtung Kopf und richtet die Grabrichtung entsprechend aus. Ziel ist es, schnellstmöglich den Kopf bzw. die Atemwege freizulegen. In Kopfnähe/Gesichtsnähe muss man vorsichtiger werden – am besten mit den Händen weitergraben. Zum schnelleren Befreien des Körpers oder um Zugang zum Kopf zu bekommen, müssen evtl. Rucksackriemen abgeschnitten werden oder ein Snowboard etc. langwierig ausgegraben werden – sonst kann die Person häufig nicht für weitere Erste-Hilfe-Maßnahmen auf die Rampe gezogen werden.
Die wichtigste Botschaft in diesem Zusammenhang lautet auch hier:
„Slow is smooth and smooth is fast!“
Phil Dunphy
Skifahrer*innen und Snowboarder*innen, die im freien Skiraum unterwegs sind, müssen gut vorbereitet und mit der notwendigen Ausrüstung ausgestattet sind, um ihr Risiko zu minimieren und im Ernstfall handeln zu können.
Hubschrauber sind im Alpenraum oft das Rettungsmittel der Wahl – wenn sie verfügbar sind und die äußeren Bedingungen (Wetterverhältnisse, Tageslicht etc.) ihren Einsatz erlauben.
Auch an einem ganz normalen Pisten-Skitag kann einmal etwas passieren. Egal, ob du selbst bzw. deine Gruppe von einem Notfall betroffen ist oder du zu einem Unfall dazukommst – du
alle Levels 04.11.2024 Arrow Down White Inhalt Der Inhalt dieser Lernkarten vermittelt das Wissen und dieFähigkeiten, die nötig sind, um die Informationen einesLawinenberichts – wie Exposition, Höhenlage und Geländebeschreibung –
Schnee ist ein spannendes und einzigartiges Material und wir wollen, dass Kinder und Jugendliche mehr darüber erfahren und die Faszination mit uns teilen.
Skifahrer*innen und Snowboarder*innen, die im freien Skiraum unterwegs sind, müssen gut vorbereitet und mit der notwendigen Ausrüstung ausgestattet sind, um ihr Risiko zu minimieren und im Ernstfall handeln zu können.
Skifahrer*innen und Snowboarder*innen, die im freien Skiraum unterwegs sind, müssen gut vorbereitet und mit der notwendigen Ausrüstung ausgestattet sind, um ihr Risiko zu minimieren und im Ernstfall handeln zu können.
Bei der Erstversorgung von verletzten Personen geht man nach dem Prioritätenprinzip vor. Eine der wichtigsten Maßnahmen und gleichzeitig jene, die jede*r durchführen soll und kann, ist es, professionelle Hilfe zu holen – also den Notruf abzusetzen.
Themen
Rechtliche Informationen
Alle Grafiken, Bilder und Texte auf der gesamten Seite dürfen heruntergeladen und laut unseren Nutzungsrechten weiterverwendet werden.